PFAS – Das neue Asbest? Wie uns eine unsichtbare Gefahr seit Jahrzehnten begleitet

Sind PFAS das neue Asbest? Oder das neue Blei im Benzin? Oder der neue Feinstaub? Wurden wir jahrelang belogen und jetzt kommt die Wahrheit ans Licht?

PFAS sind industriell hergestellten Chemikalien, die aufgrund ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften in vielen Produkten verwendet werden, beispielsweise Teflon-Pfannen, Outdoor-Kleidung, Sonnenschutzmittel, Elektronikprodukte und mehr.

Sie werden seit den 1940er Jahren hergestellt und genutzt und es gibt mehr als 10.000 verschiedene Stoffe, die zu dieser Stoffgruppe zählen.

Ähnlich wie Plastik bauen sich diese Stoffe praktisch nicht ab, sie werden daher auch als “Ewigkeits-Chemikalien“ bezeichnet. Und weil sich nicht verhindern lässt, dass diese Stoffe auch in die Umwelt gelangen, liegen sie dann eben “ewig” in der Umwelt rum und verteilen sich weltweit, beispielsweise in unser Grundwasser.

Das wiederum führt unweigerlich dazu, dass wir diese Chemikalien irgendwann aufnehmen, da unser Trinkwasser aus ebenjenem Grundwasser gespeist wird und weil auch Nahrungspflanzen PFAS aufnehmen. Die spannende Frage ist: richten die PFAS in unserem Körper Schaden an oder passieren sie den Körper ohne weitere Auswirkungen?

Die ehrliche Antwort ist: einige schon, bei anderen weiß man es (noch) nicht. Denn PFAS steht für “per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen”, also für eine ganze Gruppe von Stoffen. Nachgewiesen ist jedenfalls, dass PFAS sich im Körper anreichern, wenn sie aufgenommen werden. Sie “rutschen” also nicht einfach durch… Klingt schon mal nicht so gut.

Es gibt Studien, die auf Zusammenhänge mit Krebs, Immunsystemstörungen und Fruchtbarkeitsprobleme hindeuten. Das Unternehmen DuPont musste 2017 über 670 Millionen Dollar zahlen, weil PFAS das Trinkwasser in den USA verseucht hatte. Und 3M hat 2023 eine Einigung über 10,3 Milliarden Dollar erzielt, um Trinkwasserwerke für eine PFAS-Belastung zu entschädigen.

Was machen unsere Regulierungsbehörden? Die US-Umweltbehörde EPA stufte 2012 einige PFAS vorläufig als gesundheitsschädlich ein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) senkte 2020 die tolerierbare Aufnahme für einige PFAS drastisch. Die EU plant sogar ein umfassendes PFAS-Verbot, das nicht nur einzelne PFAS reguliert, sondern die gesamte Stoffklasse.

Wurden wir jahrelang belogen? Schwer zu sagen. Tatsächlich dachte man jahrzehntelang, diese Stoffe seien “inert” und nicht bioaktiv. Erst ab den 2000er Jahren gab es umfassende Studien, die gesundheitliche Auswirkungen zeigten.

Und ohne jeden Beweis einfach zu verbieten, verträgt sich nicht mit dem Grundgedanken eines Rechtsstaats. Erst ein begründeter Verdacht erlaubt ein Verbot nach dem Vorsorgeprinzip.

Wir sind also wahrscheinlich auf einem guten Weg, auch wenn wir – ähnlich wie bei Asbest oder Blei – erst nach Jahrzehnten erkennen, wie schädlich diese Stoffe sind.

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