Ist Plastik-Recycling ein Scam?

Ist Plastik-Recycling ein “Scam” – ein schamloser Betrug?

Vor einigen Tagen hatte ich in einem Beitrag kritisiert, dass beim Klima- und Umweltschutz die Verantwortung allzu oft auf den Einzelnen abgewälzt wird: Anstatt Unternehmen durch kluge Regulierung in die Pflicht zu nehmen, setzt man auf moralische Appelle an die Bürger – wer nicht mitmacht gilt als “Klimasünder”.

Oft genug werden diese Narrative von ebenjenen Unternehmen in die Debatte geworfen, die anderenfalls staatliche Maßnahmen fürchten müssten. Ein gutes Beispiel ist das Recycling von Plastik.

In den 1970er Jahren wuchs die Kritik an der “Plastikwelle”. Die Industrie reagierte: sie propagierte das Konzept des “Plastik-Recyclings”. Und so wurde – auf Initiative der Kunststoffindustrie (!) – fortan auf jedes Plastikprodukt ein dreieckiges Symbol aus im Kreis laufenden Pfeilen gedruckt. Im Kreis laufend, das suggeriert Recycelbarkeit, sagt darüber aber eigentlich gar nichts aus. Denn die im Symbol aufgedruckte Zahl zeigt lediglich, um welchen Kunststoff es sich handelt – nicht, ob die Verpackung tatsächlich recycelt wird.

Die Realität: Nur rund 9% des weltweit produzierten Plastiks werden heute recycelt. Der Großteil landet in #Müllverbrennungsanlagen oder auf Deponien. Der Grund: #Plastikrecycling ist aufwendig und meist wirtschaftlich unsinnig. Neues Plastik aus Erdöl ist fast immer günstiger als Recyclingware. Außerdem lässt bei Plastik die Qualität des Materials mit jedem Zyklus nach, es ist also immer ein “Down-Cycling”.

Dass das so ist, wussten die großen Konzerne schon lange. Interne Dokumente von ExxonMobil und anderen Ölriesen, die inzwischen öffentlich wurden, belegen: Man war sich von Anfang an bewusst, dass echtes Recycling kaum funktioniert – propagierte es aber dennoch, um weiter Geld mit Einwegplastik zu verdienen.

Auch in Deutschland wurden wir über Jahre auf Recycling getrimmt. 1991 startete der „Grüne Punkt“ als Teil der Verpackungsverordnung. Das Symbol zeigt eigentlich nur an, dass die Verpackung über das privat finanzierte “Duale System“ entsorgt wird, ein Recycling wird nicht garantiert. Aber auch hier werden im Kreis laufende Pfeile verwendet, was eine Kreislaufwirtschaft suggeriert. Und es musste natürlich ein “grüner” Punkt sein, kein “roter” oder “blauer” Punkt. Tatsächlich wird aber auch hierzulande ein großer Teil des Plastiks nicht wiederverwertet, sondern verbrannt.

Und so haben Kampagnen wie „Mülltrennung wirkt“ einen ziemlich schalen Beigeschmack, denn eigentlich sammeln wir hauptsächlich Brennstoff für die Müllverbrennungsanlage. Für die ist es ziemlich egal, ob der Müll sortenrein ist, oder nicht.

Und der heilige Ernst, mit dem in unserem Land #Mülltrennung betrieben wird, ist häufig nichts weiter als “Virtue Signaling“, also die Selbstinszenierung moralischer Überlegenheit. Dem Klima nützt das herzlich wenig…

Leere Joghurtbecher zu spülen ist hauptsächlich Wasserverschwendung. Denn dass Plastik großflächig recycelt wird, ist leider eine Illusion.

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